VIRUSLAST: UNDETECTABLE

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HIV-Positive sind nicht mehr ansteckend, wenn ihre Therapie gut funktioniert.

Wie sicher ist dieser Schutz durch Therapie eigentlich? Ist das Safer Sex? Macht das mehr Spass? Wie geht das in festen Partnerschaften? Und geht das auch mit wechselnden Sexpartner*innen, beim Dating oder im Darkroom? Was, wenn wir megageil, drauf, verliebt sind?

Wie vereinbaren wir als HIV-Positive und -Negative den besten Schutz vor HIV und anderen Infektionen beim Sex? Warum wissen eigentlich nicht alle von  Schutz durch Therapie?

Und bekommen wir damit die Ablehnung und Ausgrenzung von Menschen mit HIV endlich „unter die Nachweisgrenze“?

Diese Information versucht sprachlich offen zu formulieren. Sie richtet sich an Männer, die Sex mit Männern haben (wollen). Seien sie HIV-negativ oder -positiv, seien sie Transmenschen, bisexuelle, queere, schwule oder andere Männer. Und sie richtet sich an alle, die einfach interessiert sind.

SCHUTZ DURCH THERAPIE

Das ist eine HIV-Präventionsmethode, die gegeben ist, wenn eine HIV-positive Person erfolgreich mit antiretroviraler Therapie (ART) behandelt wird. Eine HIV-Übertragung beim Sex kann dann so gut wie ausgeschlossen werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Die Viruslast liegt seit einem halben Jahr unter der Nachweisgrenze.
  • Die Medikamente werden regelmäßig eingenommen.

Eine HIV-Therapie gilt dann als effektiv, wenn die Virusvermehrung im Blut so unterdrückt wird, dass mittels üblicher Testverfahren keine Viren im Blut mehr zählbar, also  nicht nachweisbar  bzw.  ‚unter Nachweisgrenze‘ (auf englisch:  ‚undetectable‘) sind. Derzeit sind das pro Milliliter (ml) Blut 50 Viruskopien und weniger. Die Anzahl von HI-Viren pro ml nennt man Viruslast  (eng. viral load). Unter Therapie sinkt sie im Blut und – etwas zeitverzögert – auch in den anderen Körperflüssigkeiten wie Sperma.

Regelmäßig eingenommene Medikamente führen dazu, dass die Therapie dauerhaft wirkt (und die Viruslast unter Nachweisgrenze bleibt). Dies muss durch Bluttest alle drei Monate überprüft werden.

Schutz durch Therapie  wurde erstmals in einer offiziellen Erklärung von schweizer Aids-Behandler*innen im Jahre 2008 als Methode, HIV-Infektionen zu verhindern, empfohlen. Dieses sogenannte EKAF-Statement hatte auf Basis des damaligen Wissensstandes, insbesondere von mehreren Studien zu HIV-Übertragungen festgestellt, dass HIV-positive Menschen unter oben genannten Bedingungen nicht mehr infektiös sind. Eine damals genannte, weitere Bedingung, dass nämlich gleichzeitig keine andere Geschlechtskrankheit (STI, sexually transmitted infections) vorliegen darf, gilt mittlerweile als überholt. Das Ganze funktioniert genauso gut, wenn man eine STI hat.

Im Englischen wird von Treatment as Prevention (TasP), also von ‚Behandlung als Vorsorge‘  gesprochen. Umgangssprachlich ist eine Person undetectable, also nicht mehr nachweisbar (eigentlich das Virus). Das bedeutet, dass sie gut therapiert ist. Dieser Begriff wird auch hierzulande häufig benutzt: “Ich bin undetectable.”

UND DAS IST SICHER?

Ja, das ist sicher. – Es gibt bisher keinen einzigen dokumentierten Fall, bei dem während einer funktionierenden Therapie eine HIV-Infektion stattgefunden hat.

Die jüngsten Ergebnisse der PARTNER-Studie sind eindeutig: Es gab bei 58.000 Sexkontakten von 900 hetero- und homosexuellen Paaren keine einzige HIV-Übertragung. Die Studie bestätigt theoretische Annahmen und jahrelange Erfahrung: Wo kein Virus, da keine Infektion.

Steigt die Anzahl der Kopien jedoch an (durch fehlende oder schlecht funktionierende Therapie beispielsweise), steigt auch das Infektionsrisiko langsam an: je mehr Viren, desto höher das Risiko einer Übertragung.

Eine Ansteckung durch virenhaltige Körperflüssigkeit wie Blut oder Sperma hat in der erwähnten Studie bei einer Viruslast von unter 200 Kopien/ml nicht stattgefunden. Als wirklich sicher wird ein Wert unter Nachweisgrenze (also 50 oder weniger Kopien/ml) angesetzt. Wer sich daran orientiert, ist auf der sicheren Seite. Alles andere ist Lotto.

Bei Vorliegen einer STI kann die Viruslast leicht ansteigen. Wer gut therapiert – also unter Nachweisgrenze – ist, liegt jedoch stets deutlich unter der erwähnten Schwelle von 200 Kopien/ml.

Wer feststellt, dass seine Viruslast zwar erhöht, aber unter 200 Kopien/ml lag, während er Sex ohne Kondom hatte, hat mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit niemanden infiziert. Beim Sex kann auf das Kondom oder auf PrEP beim/bei der Partner*in aber erst wieder verzichtet werden, wenn die Viruslast erneut dauerhaft unter Nachweisgrenze liegt.

Und was ist mit Resistenzen? – Unter Nachweisgrenze können gegenüber manchen HIV-Medikamenten unempfindlich gewordene Viren nicht übertragen werden. Auch resistente Viren müssen in ausreichender Zahl vorhanden sein, um zu einer Infektion zu führen.

Es wird übrigens vermutet, dass die meisten HIV-Übertragungen heute wenige Tage oder Wochen nach einer frischen Infektion stattfinden. Die Viruslast kann dann (obwohl ein HIV-Test vielleicht sogar noch negativ bliebe) im Millionen-Bereich liegen.

sdt

Nach Auswertung erwähnter Studien ist Schutz durch Therapie statistisch sogar etwas sicherer als die Verwendung von Kondomen. Das bedeutet (bezogen auf HIV), dass die gängige Definition von Safer Sex hinterfragt werden muss:

Ficken ohne Kondom (‚Bareback Sex‘) immer pauschal als ‚unsafe‘ zu bezeichnen, ist auch deshalb überholt.

WIE BEKOMMT MAN ART?

Eine ART besteht derzeit aus einer Kombi mehrerer Wirkstoffe und wird von der Krankenversicherung (KV) bezahlt. Es gibt dazu gute Informationen.

Wenn Du von Deinem HIV-positiven Testergebnis erfährst, bist Du heute bald mit der Frage konfrontiert, eine Therapie zu beginnen. Lass Dich ausführlich über die optimale Therapie beraten! Am besten kennen sich damit die Aids-Hilfen und HIV-Schwerpunktpraxen aus.

Früh mit einer Therapie anzufangen, ist aus Sicht der Prävention natürlich zu begrüßen, da HIV-Infektionen unter Therapie praktisch nicht mehr auftreten. Dennoch ist der richtige Zeitpunkt Deine Entscheidung: Du bist die Person, die die Tabletten jeden Tag einnehmen wird. Eventuell treten Nebenwirkungen auf, die Dich einschränken können. Ärztlicherseits darf bei dieser Entscheidung kein Druck ausgeübt werden.

Damit die Medikamente effektiv wirken (und ihre Wirkung dauerhaft behalten), musst Du sie regelmäßig einnehmen. Das strikte Einhalten des Einnahmeschemas einer ART nennt man Compliance und Motivation ist dafür Voraussetzung. Die Viruslast wird dann dauerhaft unter der Nachweisgrenze gehalten. Damit lässt sich der Ausbruch von Aids und dessen Begleiterscheinungen verhindern. Therapieerfolg bedeutet damit einen dauerhaften Erhalt einer guten Lebensqualität.

Compliance ist zugleich Voraussetzung für Schutz durch Therapie: Nicht infektiös für andere kannst Du auf Dauer nur bleiben, wenn du wirklich konsequent Deine Medis einnimmst und (so gut wie) keine Einnahme vergisst.

ART ist teuer und für Menschen ohne KV gibt es kaum Zugang zu dauerhafter Therapie. In anderen Ländern wurden eigens Fonds eingerichtet, um Menschen ohne KV mit HIV-Medikamenten zu versorgen. Das ist auch für unsere Gesundheitssysteme zu fordern. Wenn du eine ART brauchst und keine KV hast, sprich mit der örtlichen Aids-Hilfe. Sie kann klären, was möglich ist.

Wer einen Antrag auf Asyl gestellt hat, bekommt die HIV-Therapie finanziert (allerdings nicht immer reibungslos). Die Praxis, jemanden in ein Land auszuweisen, in dem diese Therapie nicht fortgesetzt werden kann, ist unethisch und scharf zu verurteilen.

Schutz durch Therapie ist Nebeneffekt des therapeutischen Erfolgs bei jeder einzelnen HIV-positiven Person: Je mehr Menschen davon profitieren, desto größer der vorbeugende Nutzen für alle.

FESTE BEZIEHUNGEN

Bei diskordanten Paaren (mit unterschiedlichem HIV-Status) ist der Verzicht auf Kondome heute weit verbreitet. Schutz durch Therapie wird ihnen von verschiedenen Institutionen (wie BAG, BzgA und Aids-Hilfen) empfohlen.

Vor nunmehr acht Jahren hat das oben erwähnte EKAF-Statement auf Basis verschiedener Studien festgestellt, was schon jahrelang unter Paaren praktiziert worden war: Positive unter Therapie hatten ihre negativen Partner*innen nicht angesteckt, auch wenn das Kondom mal vergessen oder bewusst weggelassen wurde (bei Kinderwunsch z.B.).

Heute ist wissenschaftlich untermauert, dass Schutz durch Therapie tatsächlich eine einfache und bewährte Safer-Sex-Methode in diskordanten Partnerschaften ist. Und zwar wenn sich beide dafür entscheiden.

DATES UND ANONYMER SEX

Zu Schutz durch Therapie bei Dates und anonymen Begegnungen gibt es kaum offizielle Empfehlungen. Vermutlich ist das so, weil es keine Studien gibt, die sich ausschließlich mit Sex außerhalb von festen Partnerschaften beschäftigen und möglicherweise auch aus moralischen Gründen – gleichzeitig ist diese Praxis aber weit verbreitet. Ob Du Dich, wie viele andere, dafür entscheiden willst, kannst nur Du selbst herausfinden.

Wenn für Dich Ficken ohne Kondom eine Option ist, frag Dich vorher: Was bedeutet das für mich? Brauch ich das und warum? Bringt das einfach (mehr) Spass? Und was, wenn jemand sagt, er*sie sei undetectable: Willst Du als HIV-Negative*r dann ohne Kondom ficken oder nicht? Würdest Du es später vielleicht bereuen?

Schutz durch Therapie funktioniert auch bei Dates nur über Vertrauen. Das kann sich durch Reden (bzw. Chatten) bilden. Die Offenlegung des positiven HIV-Status ist zunächst einmal ein großer Vertrauensvorschuss. Wer über seine Therapie und seinen Umgang mit STIs offen spricht, zeigt, dass er*sie die Risiken des*der anderen mit im Blick hat. Du wirst herausfinden, wie gut sich Dein Gegenüber mit der Materie auskennt. Dazu brauchst Du auch selbst Vorwissen. Es ist an Dir, Vertrauen zu schaffen. Das geht nur mit Kommunikation.

Wenn Du Dir jedoch weiter unsicher bist, ist das kein Drama. Nutz einfach (zusätzlich) Kondome bzw. denk als HIV-Negative*r darüber nach, PrEP zu nehmen! Damit hast du (bezogen auf HIV) Deinen Schutz selbst in der Hand.

Vielleicht gehörst Du auch zu denen, die mit jemandem, die*der sich als negativ bezeichnet, eher keinen Sex ohne Kondom haben wollen. Das letzte Testergebnis kann schon eine Weile zurückliegen und nicht immer ist klar, was seitdem passiert ist. Denkbar ist durchaus, dass jemand nichts von seiner*ihrer Infektion weiß und sich selbst für negativ hält.

Was ist eigentlich mit STIs? – Kondome können das Risiko je nach STI und Sexpraktik deutlich senken. Lass Dich regelmäßig (vierteljährlich) auf STIs checken und achte auf Symptome. Früh erkannte Infektionen sind gut behandelbar. Wenn Du härtere Praktiken bevorzugst, informier Dich dazu.

Übrigens: Die Übertragung einer STI vom HIV-negativen zum HIV-positiven Menschen kann eine zusätzliche gesundheitliche Belastung darstellen. Es tragen also immer beide Verantwortung.

Und im Darkroom? Da lassen sich all diese Dinge kaum ausführlich besprechen. Willst Du sicher gehen, setz hier auf Kondome und PrEP! Wir alle kennen beim Daten oder beim anonymen Sex Situationen, in denen die Kommunikation über Safer Sex nicht gut funktioniert (hat). Hier ist Schutz durch Therapie möglicherweise nicht die geeignete Methode und Du musst Dich/Euch anderweitig schützen.

Wenn im Nachhinein noch Unsicherheiten aufkommen: Frag Dein letztes Date nach Immunstatus, Viruslast und STIs. Das funktioniert am besten ohne jeden Vorwurf. Wenn das keine Gewissheit bringt, hast du immer noch die Option, innerhalb von 48 Std. eine PEP zu machen.

SOLL ICH MICH VORM SEX EIGENTLICH ALS POSITIV OUTEN?

Ganz klar: Den eigenen Immunstatus vorm Sex immer offenzulegen – damit fahren alle Beteiligten am besten. Idealerweise sprechen alle offen über Schutz, Positiv- und Negativsein, Therapie und STIs, einigen sich und machen den Sex, der ihnen gefällt. Das ist dann für beide Seiten so safe wie vereinbart.

Den eigenen positiven HIV-Status offenzulegen, ist ein großer Vertrauensbeweis. ‚Meine Therapie – Dein Schutz‘ funktioniert nur mit dieser Offenheit. Das bedeutet jedoch nicht, alle Last und Verantwortung für Safer Sex läge beim HIV-Positiven. Das widerspräche jedem Gedanken von gemeinsamer Verantwortung. Die Vorstellung, die Verantwortung beim Sex voll und ganz an die oder den HIV-Positiven abzugeben, befremdet dann auch manche Negative: Sie fühlten sich so schlicht entmündigt.

Rechtlich sieht es so aus: Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte sein Gegenüber von der eigenen HIV-Infektion in Kenntnis setzen, da Gerichte kondomlosen Sex ansonsten als versuchte Körperverletzung bewerten können. Obwohl eine HIV-Übertragung bei Schutz durch Therapie ausgeschlossen werden kann, beurteilen Gerichte das Risiko noch immer unterschiedlich (und übrigens anders als beim Kondomgebrauch). Im Widerspruch dazu haben Personen, die ihren Immunstatus nicht kennen (also möglicherweise HIV-positiv und unbehandelt sind), keine Strafverfolgung zu befürchten.

Wer sich dagegen testen lässt, wird hier rechtlich nachteilig behandelt. Die Rechtsprechung muss das schleunigst ändern und nun schon Jahre alte wissenschaftliche Erkenntnisse anerkennen! Das würde mehr Leute dazu ermutigen, sich testen lassen, was wiederum weitere Neuinfektionen verhindern könnte.

Auch sonst ruft das Bekenntnis zum Positivsein oft immer noch Unwissen, Ängste und Zurückweisungen hervor. Vielleicht wendet sich jemand ab, nur weil Du positiv bist. Berufliche oder soziale Nachteile sind möglich. Es ist deshalb Deine Entscheidung, ob Du Dich als positiv outest.

THERAPIERTE ZUKUNFT?

HIV-Positive leben heute länger, sind gesünder, arbeiten, haben Sex und vieles mehr.

Schutz durch Therapie verhindert nicht nur Infektionen, sondern bringt auch eine Normalisierung von HIV. Obwohl hierzulande der Anteil der Infizierten, die eine ART einnehmen, beachtlich ist, sind die Neuinfektionszahlen dennoch auf stabil hohem Niveau: In der BRD sind das jährlich über 2000 und in der Schweiz über 250 bei Männern, die Sex mit Männern haben.

Ein bedeutender Anteil davon erfährt erst bei Auftreten von Krankheitssymptomen von der Infektion und war demnach längere Zeit infektiös und ungetestet. Der Kondom-gebrauch ist in den letzten Jahren außerdem zurückgegangen: auch, weil das Bild von HIV/Aids seinen Schrecken verloren hat, was für sich genommen ja eine gute Sache ist.

Safer Sex kann sich hier an die Bedürfnisse und Umstände der jeweiligen Situation anpassen. Kondome bedeuten aber weiter für die meisten in vielen Momenten den besten Schutz, gerade auch wegen anderer STIs.

Zugleich wissen noch nicht alle über Schutz durch Therapie (gut genug) bescheid. Und mit PEP und PrEP gibt es noch weitere Optionen, sich vor HIV zu schützen: Für all diese Maßnahmen sollten nicht nur die Kosten übernommen, sondern auch umfassend über sie informiert werden. Das sind politische Forderungen, für die es einzutreten lohnt.

Die Preise für die ART müssen – nötigenfalls stärker reguliert – sinken, damit sie Menschen in allen Teilen der Welt zugute kommen und dort als Schutz durch Therapie effektiv Neuinfektionen verhindern kann. Eine Welt ohne HIV ist möglich!

LINKS UND QUELLEN

EKAF-Statement
www.lovelazers.org/link2

PARTNER-Studie
www.lovelazers.org/link3

Infos zur ART und Behandlung (Broschüre)
www.lovelazers.org/link4

HIV-Schwerpunktpraxen (BRD)
www.lovelazers.org/link5

PrEP – Infos zur Präexpositionsprophylaxe
www.lovelazers.org/link6

PEP – Infos zur Postexpositionsprophylaxe
www.lovelazers.org/link7

MEHR

Informationen und Beratung bei

Mancheck in Berlin
+49 30 4466 8870 mancheck-berlin.de

und

Checkpoint in Zürich
+41 44 455 59 10 checkpoint-zh.ch

oder Deiner örtlichen Aids-Hilfe in der BRD
0180 33 19 411 (max. 9 ct/Min. dt. Festnetz bundesweit)
Mo-Fr 9-21h + Sa-So 12-14h

und bei einer der Schweizer Aids-Hilfen:
www.lovelazers.org/link8


Danke für Kommentare, Hilfe und Anregungen: Caro & Doro, Alex, Sandra, Tibor, Philipp, Dario, Oded, Tristan, Sven, Armin, Whit, Frenky, Tolo und Amichai+.

Unterstützt von: mikrodisko boombox, Tuntenhaushoffest, les amies du futur Leipzig

Titelfoto:  701 anyway (Caroline-Sophie Frett + Dorothée Krings), Model: Dennis, Foto: Whit Forrester, 2016.

Ready for PrEP!

Als PDF lesen: Ready for PrEP!

Vorbeugende Maßnahmen – wie der Gebrauch von Kondomen beim Sex – haben bis heute allein nicht ausgereicht, die Verbreitung von HIV & Aids zu beenden. Mit PrEP gibt es eine weitere, hoffentlich bald auch bei uns zugelassene Möglichkeit, sich durch die Einnahme eines Arzneimittels in Pillenform gegen das Virus zu schützen. Das ist eine gute Information für Leute, die sich leichter mit HIV anstecken könnten, da sie nun mehr Optionen haben, sich zu schützen.

Ob und in welcher Form PrEP für Dich geeignet sein könnte, behandelt dieses Faltblatt. Auch wenn Dich das Thema einfach nur interessiert, erhältst Du hier einführende Infos. 

Was ist PrEP?

PrEP ist die vorbeugende Einnahme antiviral wirksamer Substanzen, um eine Infektion mit HIV zu verhindern (und zwar bisher mit dem in Europa und den USA fast ausschließlich vorkommenden Subtyp HIV-1). PrEP steht für:

Prä

davor

Expositions

ausgesetzt sein  (dem HI-Virus)

Prophylaxe

Vorbeugung 

(also Verhinderung der Ansteckung)

Bei einer PrEP  werden regelmäßig oder anlassbezogen Substanzen vor einem möglichen Risikokontakt eingenommen. Und zwar eine Kombination der gleichen Substanzen, die sonst in der Therapie von Menschen mit HIV als Medikamente eingenommen werden.

Eine sehr verbreitete Wirkstoff-Kombi ist momentan Truvada®, das zwei Wirkstoffe in einer Filmtablette vereint und selten relevante Nebenwirkungen verursacht. 

PrEP ist keine Morning-After-Pille, keine Impfung gegen HIV und kein Mittel zur Heilung. Es ist nicht zu verwechseln mit der Postexpositionsprophylaxe PEP, welche nach einer ungeschützten Situation eingenommen wird, um noch nachträglich eine Infektion zu verhindern.

Im Moment ist in der EU und der Schweiz kein Präparat für die PrEP zugelassen oder beantragt. In den USA schätzen Gesundheitsbehörden und einige Krankenkassen PrEP als wirksam ein, bewerben sie entsprechend und übernehmen auch die Kosten. Die Arzneimittelbehörde hat dort Truvada® 2012 offiziell als Mittel der Prävention zugelassen. 

Auch wenn das in der EU noch auf sich warten lässt, nutzt eine kleine, wachsende Zahl von Leuten hierzulande bereits PrEP. Zugleich ist das Wissen darum nicht sehr hoch. Mit Sicherheit wird – auch ohne Zulassung – PrEP in nächster Zeit verstärkt genutzt, um sich individuell vor HIV zu schützen, ob nun statt oder in Kombination mit dem Kondom.

PrEP kann man regelmäßig (täglich) oder für einige Tage lang einnehmen. Studien haben gezeigt: Beides ist wirksam. Du bist dabei dann richtig geschützt, wenn Du die PrEP alle 24h einnimmst. Eine „Wochenend-PrEP“, also die geplante, kurzzeitige Einnahme vor einer Risiko-Situation, kann ein praktikabler und auch bezahlbarer Schutz sein. 

Für beide Arten der PrEP gilt: Jede vergessene Pillen-Einnahme verringert die Schutzwirkung!

Wie genau funktioniert PrEP?

Damit sich das Virus ununterbrochen im Körper vermehren kann, muss es seine Erbsubstanz RNA ständig in die Erbinformation menschlicher Zellen (DNA) kopieren. Dazu muss das Virus seine Erbinformation zunächst in die menschliche Form umschreiben. Das erfolgt mit einem von HIV mitgebrachten Werkzeug: dem Enzym Reverse Transkriptase. Dieser Vorgang wird nun durch die PrEP-Wirkstoffe blockiert, indem sie falsche Bausteine in die DNA einbauen. Das führt zu einem Abbruch der Virusvermehrung. 

Da sich die Wirkstoffe über eine längere Zeit in einer gewissen Konzentration u.a. in Blut und Analschleimhaut befinden, kann das HI-Virus seine Erbsubstanz nicht mehr in die menschlichen Zellen einbauen und verschwindet aus dem Körper.

Warum reden bei PrEP alle von Truvada®?

Derzeit ist Truvada®, das die Wirkstoffe Emtricitabin FTC und Tenofovir TDF (Hersteller Gilead) enthält, das verbreitetste Mittel für eine PrEP. Da alle Studien bisher nur mit diesem Medikament durchgeführt wurden, liegen Informationen auch nur dazu vor. Ohne für ein bestimmtes Pharma-Produkt zu werben, beziehen wir uns hier auf diese Ergebnisse.

In den nächsten Jahren wird wohl Truvada® (oder generische, also pharmazeutisch nachgebaute Pillen) genutzt werden, auch wenn andere Kombipräparate (Medikamente mit mehr als einem Wirkstoff), die in der Therapie wirksam gegen HIV sind, vermutlich als PrEP funktionieren würden. 

Wie sicher ist PrEP?

Die dauerhafte PrEP hat sich als sicher erwiesen. Bei dauerhafter, täglicher Einnahme verringert sich das HIV-Übertragungsrisiko statistisch um 90% bis 99% (bezogen auf das durchschnittliche Ansteckungrisiko bei unsafem Analverkehr). Dieser Wert schwankt je nach Studie etwas, bedeutet aber, dass eine richtig eingenommene PrEP genauso viel Schutz vor HIV bieten kann wie ein richtig angewandtes Kondom (Risikoreduktion von etwa 95%) oder Schutz durch Therapie (Virus unter Nachweisgrenze: 96% Risikoreduktion). Wichtig bei PrEP: Jede vergessene Pilleneinnahme mindert den Schutz und macht eine PrEP weniger wirksam.

Eine Kurzzeit-PrEP (Einnahme-Schema unten) verringert das HIV-Übertragungsrisiko statistisch um 86%, was immer noch einen beachtlichen Wert darstellt. Es mag sein, dass Dir das als Schutz persönlich zu wenig ist. Wenn Du Kondome nicht oder nicht immer benutzt, ist das aber immer noch eine bessere Option als gar kein Schutz gegen HIV.

Wie wird PrEP eingenommen?

Für Truvada® gibt es bei einer dauerhaften PrEP folgende Empfehlung vom Hersteller: Du nimmst einmal täglich zur gleichen Zeit eine Pille ein:

 Einnahmeschema-Langzeit-PrEP

Bei einer Kurzzeit-PrEP haben die Studienteilnehmer der IPERGAY-Studie 24h bis 2h vor einer Situation mit möglicher HIV-Übertragung 2 Pillen und dann jeweils 1 Pille im Abstand von 24h bis zwei Tage nach der Situation eingenommen.

 Einnahmeschema-Kurzzeit-PrEP

Einnahmeschema für Truvada®, Kurzzeit-PrEP (nach der IPERGAY-Studie mit Männern, die Sex mit Männern haben)

Vor Beginn einer PrEP musst Du Dir sicher sein (Testen!), dass Du nicht bereits HIV-infiziert bist. Außerdem ist es sinnvoll, dass Du vorher und dann alle drei Monate deine Blutwerte checkst. Am wichtigsten ist der Kreatininwert (Maß für die Filtrationsleistung der Niere, siehe Nebenwirkungen).

Lass Dich parallel auch gleich auf sexuell übertragbare Infektionen (STIs sexually transmitted infections) testen. Wenn Du Truvada® zu Deinen Mahlzeiten einnimmst, verbessert sich die Aufnahmemenge von Tenofovir in Deinen Körper um ca. ein Drittel.

Noch einmal: Die Regelmässigkeit der Einnahme entscheidet über die Wirksamkeit! Die tägliche wird für viele bestimmt die praktikablere und damit effektivere (also sicherere) Form der PrEP sein. Was besser für Dich ist, kannst nur Du selbst herausfinden.

Nebenwirkungen – Wechselwirkungen

Wenn Truvada® als PrEP genommen wird, können Übelkeit, Schwächegefühl und Kopfschmerzen auftreten. Nach Absetzen des Präparats bilden sich diese Nebenwirkungen vollständig zurück.

Truvada® kann in seltenen Fällen die Knochendichte herabsetzen oder die Niere schädigen. Du darfst es keinesfalls ohne ärztliche Begleitung einnehmen, wenn Du eine vorgeschädigte Niere hast. Außerdem kann die enthaltene Lactose bei einer Unverträglichkeit problematisch sein. Informiere Dich über Wechselwirkungen mit Medikamenten in einem ärztlichen Gespräch oder im Beipackzettel. Mit Adefovirdipivoxil (Hepsera®) darf Truvada® nicht kombiniert werden.

Alkohol und andere Drogen schränken die Wirkung einer PrEP mit Truvada® nicht ein. Der gleichzeitige Konsum kann aber Deinen Stoffwechsel, Leber und Niere zusätzlich belasten.

Manchmal hört man, dass HIV bei Vorliegen einer STI leichter übertragen wird. PrEP verhindert auch in diesem Fall die Übertragung von HIV effektiv.

Woher bekomme ich überhaupt PrEP?

Truvada® für PrEP gibt es in der EU nur auf Privatrezept (Off-Label-Use), Krankenkassen erstatten die Kosten nicht. Ärztinnen und Ärzte verschreiben wegen der fehlenden Zulassung PrEP im Moment auf eigene Verantwortung (und damit oft nur ungern).

Ungeachtet dessen blüht die Beschaffungskreativität: Truvada® bzw. nachgebaute Medikamente mit den gleichen Wirkstoffen („Generika“) werden billig aus dem Urlaub mitgebracht, so als Tenvir EM® (lizensiert von Gilead) für angeblich unter 10EUR für die Monatspackung aus indischen Apotheken. Tenvir EM® wird im Internet für 60EUR bestellt und in westeuropäische Länder versandt, aber Achtung: Wegen des Patentschutzes kann es am Zoll auch bei Eigenbedarfsmengen Probleme geben.

Ebenso werden unzulässigerweise verschriebene PEP als PrEP eingenommen oder Pillen bei Bekannten besorgt (was dazu führen kann, dass sie ihre HIV-Medikamente nicht regelmäßig einnehmen). Neben der Gefahr von Placebo-Erwerb, Betrug und Zollkontrollen („unerlaubte Medikamenteneinfuhr“) bleibt das grundsätzliche Problem: Pillen für eine dauerhafte Einnahme sind kaum in der benötigten Menge zu beschaffen. 

Medikamente für PrEP sofort zuzulassen und die Kostenübernahme zu klären, hieße, dass sich auch Menschen mit durchschnittlichem oder geringem Einkommen für eine PrEP entscheiden könnten.

Was würde das eigentlich kosten?

Der Aufwand für eine PrEP setzt sich zusammen aus den Kosten für ärztliche Beratung, Labortests und das Präparat selbst. Letzteres kostet allein pro Monatspackung (für die dauerhafte PrEP) in Deutschland ca. 820 EUR und in der Schweiz ca. 900 SFr. Wenn Gilead seinen Patentschutz für Truvada® demnächst verliert, könnten die Preise um 20% sinken, was für den privaten Erwerb immer noch viel zu teuer wäre. Die Einsparungen für die Krankenkassen bei Finanzierung der PrEP wären für bestimmte Zielgruppen dennoch enorm: Man denke nur an die Kosten einer lebenslangen HIV-Behandlung.

Was spricht für und was gegen PrEP?

Wenn Du überlegst, eine PrEP einzunehmen, musst Du eine ganz individuelle Entscheidung treffen. 

Die PrEP wirkt nur richtig, wenn Du sie auch wirklich regelmäßig einnimmst. Aber auch Kondome wirken nur, wenn Du sie benutzt. Allerdings: Kondome wirken gar nicht, wenn Du sie mal vergisst. Wenn Du bei einer PrEP eine Einnahme auslässt, verringert sich die Schutzwirkung nicht komplett.

Unter dem Einfluss von Alkohol, anderen Drogen oder schwerem Verliebtseinsgefühls werden Kondome möglicherweise schon einmal weggelassen – eine zuvor bei klarem Verstand eingenommene PrEP wirkt dagegen permanent!

PrEP schützt – anders als Kondome – außer vor HIV nicht vor weiteren STIs. Allerdings schützen auch Kondome (beim Oralverkehr oder bei Schmierinfektionen) nicht vor allen STIs. Und PrEP ist ja eine gute Maßnahme für Leute, die jetzt schon keine oder nur manchmal Kondome nutzen, die also auch jetzt schon nicht gegen STIs geschützt sind. Einen Vorteil hat eine dauerhafte PrEP hier allerdings: Bei den regelmäßigen Labortests (alle 3 Monate) kann gleich auch auf STIs getestet werden (das passiert nicht automatisch zusammen). Sie können dann früh erkannt und behandelt werden. 

Du hast mit PrEP die Kontrolle über Deinen Schutz vor HIV, weil Du es bist, die/der die Pille richtig anwenden muss. Weiterhin bleibt das Reden über Safer Sex wichtig. 

Vielleicht hat Dich das Thema Safer Sex bisher belastet, hattest Du Schwierigkeiten, das anzusprechen und bist möglicherweise dann ohne Schutz Risiken eingegangen. Du kannst ausprobieren, ob Du mit PrEP angstfreieren, genussvolleren Sex ohne Schuldgefühle haben kannst. Eine psychische Entlastung führt vielleicht auch dazu, generell offener über Schutz vor HIV und STIs sprechen zu können. Vielleicht wird es dann in einigen Situationen auch mit Kondomen wieder entspannter!? Verschiedene Safer-Sex-Optionen sollten jedenfalls nicht in Konkurrenz zueinander stehen. Sie lassen sich kombinieren, in den meisten Situationen reicht eine allein aus. 

Es gibt keinen Grund, weder einen politischen, finanziellen, noch einen anderen, Menschen davon abzuhalten, sich für eine PrEP zu entscheiden und damit ihre Gesundheit in die eigene Hand zu nehmen. So empfehlen auch viele Institutionen die Einführung von PrEP, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO, das European Center for Desease Prevention and Control ECDC, die Vereinigung deutscher Aids-Behandler_innen dagnä und die Deutsche Aids-Hilfe, um nur einige zu nennen.

Was, wenn ich unwissentlich HIV-positiv bin und PrEP nehme?

Wer HIV-positiv ist und PrEP einnimmt, ist damit gegen HIV nur unzureichend behandelt, da das Virus möglicherweise nicht unter Nachweisgrenze gehalten wird (derzeit das Maß einer erfolgreichen Therapie). Im Falle von Truvada® reicht die alleinige Gabe des Präparats, das ja zwei Wirkstoffe kombiniert, für eine effektive PrEP aus, für eine HIV-Therapie muss jedoch noch ein weiteres Medikament eingesetzt werden.

Ein HIV-Test vor einer PrEP ist also unabdingbar! Und zwar ein zuverlässiger (und anonymer) Test beim Gesundheitsamt oder bei Test-Kampagnen in der Community, ein Schnelltest reicht nicht.

Zudem ist das Auftreten von Resistenzen gegen das als PrEP eingesetzte Präparat möglich, allerdings in Studien bisher nicht besonders häufig beobachtet worden. Truvada® gilt als standhaft gegen Resistenzen. Die beiden enthaltenen Wirkstoffe haben eine recht lange Halbwertszeit im Körper und zeigen auch bei gelegentlich vergessenen Einnahmen immer noch eine hohe Schutzwirkung gegen das Virus. Bei Nicht-Infizierten ist das aber sowieso nicht relevant, da kein Virus vorhanden ist, das gegen die Substanz resistent werden könnte.

Wer also braucht PrEP?

PrEP wird Menschen mit einem hohen Risiko für eine HIV-Übertragung empfohlen.

Die Frage, ob Du dazu gehörst, kannst nur Du beantworten: Dann, wenn Du Kondome nicht benutzen willst oder kannst. Wenn Du im letzten Jahr schon mal eine PEP gemacht hast oder eine STI im Arsch hattest. Wenn für Dich das Thema Safer Sex angstbesetzt ist. Wenn Du beim Sex, eventuell in Kombination mit dem Konsum von Drogen, ungewollt Deine eigenen Grenzen immer wieder überschreitest.

– Dann kommt eine PrEP für Dich sicher in Frage. Letztlich lässt sich das nur individuell beantworten: Einfach nur besseren Sex mit mehr Spaß und Genuss – und das auch ohne Kondom – haben zu wollen, reicht aus, um sich für eine PrEP entscheiden zu dürfen. Jede/r soll das Recht haben, seine Optionen für mehr persönliche Freiheit zu erweitern.

Wie wird es in nächster Zeit mit PrEP weitergehen?

Grundlagenforschung und Studien mit Medikamenten eröffnen sicher schon bald neue Möglichkeiten. So wird es vielleicht schon in einigen Jahren eine injizierbare PrEP als monatliche oder vierteljährliche Spritze geben. Geforscht wird ebenso an einer lokalen PrEP, die als Gel dort aufgetragen wird, wo das Virus eintreten könnte (Vaginal-, Analbereich). Zu erwarten ist, dass noch effektivere und nebenwirkungsärmere Substanzen auf den Markt kommen (die sicher auch teurer sein werden).

Weil PrEP ein wichtiger Baustein ist, um die HIV-Krise wirklich zu beenden, fordern wir die sofortige Zulassung geeigneter Medikamente!

Woher kommen diese Informationen?

Die beiden großen europäischen Studien, die englische PROUD-Studie und die französische IPERGAY-Studie, liefern uns erste wichtige Ergebnisse. Nachlesen kannst Du das in unserer Linksammlung. Außerdem haben wir alles, was es zu PrEP im Netz und auf Veranstaltungen gab, mit aufgenommen. Wir haben intensiv diskutiert, was diese neuen Infos für unser Leben und unsere Zukunft bedeuten. Wir finden: Sie sind so wichtig, dass sie allen – also denen, die ein erhöhtes HIV-Risiko haben ebenso wie allen Interessierten – zugänglich gemacht werden müssen.

Wo finde ich weitere Informationen?

Zu empfehlen: 

und das PDF „PrEP 2015: Wirksamkeit & Verfügbarkeit“ auf hivreport.de (02/2015) sowie alles im Netz zu den Studien PROUD, IPERGAY und IPREX.

 Wenn Du mit jemandem über PrEP sprechen willst, wende Dich an:

Mancheck in Berlin

+49 30 44668870

mancheck-berlin.de

Checkpoint in Zürich

+41 44 455 59 10

checkpoint-zh.ch

oder Deine örtliche Aids-Hilfe.

Wir kooperieren dazu mit dem Projekt 701 anyway – HIV prevention today, das Fashion Design und neues Wissen um Safer Sex verbindet.

Quellen

großteils in englisch:

  1. http://stm.sciencemag.org/content/4/151/151ra125
  2. http://www.prepforsex.org
  3. http://www.proud.mrc.ac.uk
  4. http://www.anrs.fr/content/download/6156/33460/file/CP%20Ipergay_ENG%20web.pdf
  5. http://www.cdc.gov/nchhstp/newsroom/2015/IPERGAY-2015-Media-Statement.html
  6. http://blog.aidshilfe.de/2013/01/30/hiv-positiv-behandelt-nicht-ansteckend-ein-tabubruch-und-seine-folgen-teil-1/
  7. http://www.prepineurope.org/#post-16
  8. http://cid.oxfordjournals.org/content/early/2015/09/01/cid.civ778.abstract?sid=d20ec976-f951-4ba9-9d7e-d1d5e25025ba
  9. http://blog.aidshilfe.de/2014/09/25/hiv-prep-worauf-warten-wir-eigentlich/

PEP – Die Pillen danach

Das Faltblatt downloaden (PDF; 1,6 MB)

Kondom vergessen? Nach dem blank Ficken doch nicht mehr sicher, ob Dein Date wirklich HIV-negativ war? Ob der HIV-positive Sexpartner eine funktionierende Therapie hat und tatsächlich „unter der Nachweisgrenze“ ist? Vielleicht betrunken oder sonst wie dicht und gar keine Ahnung mehr, was da gestern genau passiert ist?

– Wenn Du ungeschützten Sex hattest, ist Ruhe bewahren das Beste: Eine Infektion kann nachträglich mit Medikamenten noch verhindert werden, wenn Du sofort handelst. Mit einer PEP hast Du dazu die Möglichkeit!

Was ist PEP?

Eine PEP ist eine kurzfristige medizinische Behandlung: Nach ungeschütztem Sex oder anderen HIV-Übertragungssituationen werden 30 Tage lang Tabletten eingenommen, die eine Vermehrung des Virus im Körper – also eine Ansteckung – verhindern sollen.

PEP bedeutet:

  • Post = danach
  • expositions = ausgesetzt sein, dem Virus
  • prophylaxe = Vorbeugung, also Verhinderung der Ansteckung

PEP ist eine Notfallbehandlung. Sie ist keine Vorbeugung und kein Ersatz für Methoden, die eine HIV-Übertragung verhindern sollen: wie Kondomgebrauch, „Schutz durch Therapie“ (Nichtinfektiösität HIV-Positiver bei wirksamer Therapie) oder Präexpositionsprophylaxe PrEP (Schutz durch vorherige Medikamenteneinnahme). Bei einer PEP muss sofort nach einer möglichen Infektion (am besten nach zwei Stunden oder zumindest innerhalb der nächsten 24h, allerspätestens 48h) für 30 Tage regelmäßig eine Medikamentenkombi eingenommen werden. Man muss dann mind. 1 x pro Tag zur gleichen Uhrzeit strikt eine oder mehrere Tabletten einnehmen.

Wie funktioniert PEP?

Die HIV-Medikamente verhindern, dass sich das Virus, nachdem es in ausreichender Anzahl in den Körper eingedrungen ist, in den Immunabwehr-Zellen vermehren kann. Dadurch helfen die Medikamente dem Immunsystem, die Viren effektiv zu bekämpfen, was es allein nicht schaffen würde.

Für den Erfolg der PEP ist also entscheidend, dass Du sie sofort und ohne Zeitverzug anfängst. Umso später die Therapie begonnen wird, um so geringer ist die Chance, eine Infektion zu verhindern. Sofort heißt, dass Du auch am Wochenende oder Feiertag geradewegs eine PEP einleiten solltest, um die medikamentöse Wirkung zu erhöhen.

Wie sicher ist das?

PEP funktioniert je nach Studie in mind. 80% der Fälle (abhängig von Therapiebeginn und Therapietreue). Es ist also eine effektive Methode, deren Anwendung sich unbedingt lohnt.

Auch bei rechtzeitigem Beginn gibt es jedoch keine Erfolgsgarantie. In Einzelfällen kann die Therapie auch ohne erkennbaren Grund versagen. Wenn die PEP zu spät eingeleitet wird, wirkt die PEP wahrscheinlich nicht richtig und das Virus kann sich dauerhaft im Körper festsetzen.

Grundsätzlich gilt:

JE FRÜHER – DESTO WIRKSAMER.

Ein weiterer Grund für das Versagen kann das vorzeitige Absetzen der Medikamente sein. Wenn Du Dich einmal entschieden hast, halte die 30 Tage Tabletteneinnahme durch, auch wenn Du Dich kerngesund fühlst.

Wer bekommt PEP?

Wenn Du Dich an eine Notaufnahme oder entsprechende Praxis (siehe unten) wendest, wird zunächst abgeklärt, ob eine PEP für Dich in Frage kommt. Dort kann Dir – je nach Einschätzung – eine PEP empfohlen, angeboten oder verwehrt werden.

Für Sex von Männern mit Männern, seien es schwule, bisexuelle, Trans- oder andere Männer, wird ein höheres Übertragungsrisiko angenommen. Für sie gibt es je nach Sexpraktik folgende Empfehlungen (nach den Deutsch-Österreichischen Leitlinien zu PEP):

Für unsafen Analverkehr wird eine PEP empfohlen, wenn das Gegenüber bekannt HIV-positiv und der Behandlungsstatus (die Viruslast) unbekannt ist. Das gilt sowohl für passiven (aufnehmenden) als auch aktiven (eindringenden) Verkehr mit oder ohne Ejakulation (Abspritzen) und ohne Kondom oder Kondom kaputt.

Wenn der HIV-Status des Gegenübers unbekannt bzw. nicht nachträglich herauszufinden ist, kann nach Analverkehr (aktiv/passiv, mit/ohne Abspritzen, ohne Kondom/Kondom kaputt) eine PEP angeboten werden.

Wenn das Gegenüber beim Analverkehr bekannt HIV-positiv, aber seine Viruslast unter der Nachweisgrenze (also undetectable und nicht infektiös) ist, wird keine PEP angeboten.

Gar nicht mehr empfohlen wird eine PEP bei Oralverkehr, da das Infektionsrisiko als sehr gering eingeschätzt wird.

Beim gemeinsamen Gebrauch von Injektionsbesteck sowie bei Stichverletzungen mit einer frisch benutzten Nadel wird eine PEP dagegen empfohlen.

Bei Sex mit Personen, die intravenös Drogen gebrauchen oder aus Gebieten stammen, in denen HIV sehr häufig vorkommt und deren HIV-Status unbekannt ist), wird von einem hohen HIV-Übertragungsrisiko ausgegangen und PEP eher verordnet.

Wenn Dein Gegenüber HIV-positiv ist und seine Viruslast über 50 Kopien/ml liegt, er also nicht mehr undetectable (unter der Nachweisgrenze) ist, wird eine PEP bei Anal- oder Vaginalverkehr immer empfohlen.

Bei heterosexuellen Gelegenheitskontakten („One Night Stands“) wird dagegen davon ausgegangen, dass kein hohes Risiko besteht (wenn HIV-Status unbekannt).

Die ärztliche Entscheidung kann dazu führen, dass die PEP nicht verschrieben wird, weil die Kriterien für eine Risikosituation nicht gegeben sind. Grenzfälle führen nach einem abklärenden Gespräch manchmal zur Verschreibung, wenn Infektionsängste groß sind. Oft wird die Situation nach ein paar Tagen ein zweites Mal geprüft. Stellt sich heraus, dass eine PEP doch nicht erforderlich ist, werden keine weiteren Medikamente verschrieben. Wer sich allerdings vorher schon gut informiert und Übertragungswahrscheinlichkeiten von HIV realistisch einschätzen kann, braucht Medikamente nicht unnötig einnehmen, nur um sich zu beruhigen.

Wenn Dein Sexpartner/Deine Sexpartnerin damit einverstanden ist, bitte ihn/sie, mit zur Schwerpunktpraxis oder Notaufnahme zu kommen. Alle Fragen können dann gemeinsam geklärt werden.

Wie läuft eine PEP ab?

Zunächst wird Dir Blut abgenommen, um einen HIV-Test machen zu können und Blut für spätere Laborwerte zu haben. Du erhältst eine erste Dosis Medikamente und eine Überweisung für eine ärztliche Praxis, die auf diesem Gebiet spezialisiert ist.

Du wirst ärztlich betreut, Dein Blut regelmäßig (nach zwei Wochen) untersucht und Du wirst zum Schluss noch ein mal auf HIV getestet.

Im besten Fall ist dieses Ergebnis negativ. In einigen wenigen Fällen kann der Test aber auch positiv ausfallen, wenn die PEP nicht wirksam war. Auch deshalb ist eine gute ärztliche Begleitung während der PEP wichtig.

Zusätzlich zur PEP-Behandlung kannst Du darum bitten, gegen Hepatitis A und B geimpft und auf STIs (sexuell übertragbare Krankheiten) getestet zu werden. Das umfasst (je nach Sexpraktik) auch Abstriche auf Chlamydien und Tripper und einen Test auf Hepatitis C – Frag am besten danach!

Wie verträglich ist eine PEP?

Die Medikamente dafür sind in der Regel gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Abgeschlagenheit. Der Beipackzettel kann wichtige Informationen für Dich enthalten, die beim ärztlichen Gespräch nicht erwähnt wurden. Deshalb ist es sinnvoll, diesen in Ruhe durchzulesen.

Viele Nebenwirkungen verschwinden schon nach wenigen Tagen, manchmal kann es aber auch länger dauern. Schwerwiegende Nebenwirkungen sollten jedoch nicht die gesamte Zeitdauer der Einnahme anhalten. Dann wird die Medikation umgestellt.

Schon leichte Nebenwirkungen könnten Dich dazu verleiten, die PEP abzubrechen. Versuch jetzt, positiv zu denken!: Lieber ein paar Wochen lästige Nebenwirkungen, als sich damit ein Leben lang auseinandersetzen zu müssen! Außerdem kann man gegen einige Nebenwirkungen auch etwas tun. Auf keinen Fall solltest Du selbständig die Behandlung stoppen, besprich das unbedingt mit Deiner Ärztin/Deinem Arzt!

Wo mache ich eine PEP?

Tagsüber und unter der Woche ist die nächste HIV-Schwerpunktpraxis die beste Anlaufstelle (Link s.u.). Außerhalb der Öffnungszeiten musst Du zur Notaufnahme einer Klinik, die 24h am Tag PEP anbietet (aidshilfe.de/adressen).

Beim Telefon der deutschen Aids-Hilfen gibt‘s Infos, wo und wie genau PEP in der BRD angeboten wird (Nr. siehe unten).

In Berlin kannst Du hier rund um die Uhr eine PEP machen: Immunologische Tagesklinik des AVK, Rubensstr. 125, 030 130202595 und Notfall-Ambulanz der Charité, Hindenburgdamm 30, 030 8445-0 und Augustenburger Platz 1, 030 4505-0.

In Leipzig in der 2. Klinik für Inneres im Klinikum St. Georg, Delitzscher Str. 141 (0341 9094005).

In der Schweiz gehst Du am besten zu einem der Checkpoints (Link unten). Ansonsten bieten hier alle Notfallaufnahmen der Spitäler PEP an. In Zürich ist das der Notfall des Universitätsspitals, Schmelzbergstr. 8, 8091 Zürich, Tel. 044 2551111.

Notfallaufnahmen haben 24h offen.

Wenn Du in eine Klinik gehst, musst Du damit rechnen, dass PEP dort nicht bei allen Angestellten gut bekannt ist. Erkundige Dich am besten schon vorher, wo genau im Krankenhaus PEP durchgeführt wird und ruf direkt dort an. Oft musst Du nach den diensthabenden Internist*innen fragen. Lass Dir erklären, wie genau das Vorgehen ist, ob Du zunächst in die Notaufnahme musst usw. Generell wirst Du in Ballungszentren mit mehr Erfahrung mit PEP rechnen können. Eventuell lohnt dafür eine gewisse Anfahrtsstrecke.

Wenn Du jedoch auf unerfahrenes Personal triffst, bestehe darauf, jemanden hinzuziehen, der Ahnung von PEP hat. Nimm diese Info mit und zeige sie einfach vor.

Wie teuer ist eine PEP und wer bezahlt das?

Die vierwöchige Therapie kostet allein um die 1500EUR/1800CHF, hinzu kommen ärztliche Konsultationen und Labortests.

Im Rahmen der Notfallbehandlung müssen die Kosten in der BRD von den Krankenkassen (KV), in der Schweiz von der Grundversicherung bezahlt werden.

In der BRD weigern sich die KV allerdings manchmal und die Praxen sind entsprechend vorsichtig mit der Verschreibung. In einigen Fällen wurde mit der (falschen) Begründung, PEP sei keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, vom Krankenhaus eine Rechnung gestellt, die vor Ort bezahlt werden sollte. Du kannst das ablehnen und auf Dein Recht bestehen. Du kannst auch erstmal zahlen und Dir das später von Deiner KV erstatten lassen.

Einige Kassen sind nach zwei Behandlungen übrigens nicht mehr bereit, weitere Kosten zu übernehmen. Das alles sollte Dich nicht davon abhalten, nach einer PEP und der Übernahme der Kosten zu fragen. Oft gibt es individuelle Lösungen (z.B. gespendete Medikamente).

Keine Probleme gibt es dagegen bei Risikosituationen im beruflichen Umfeld (Arbeitsunfälle z.B. durch Nadelstichver-letzungen in der medizinischen Versorgung). Hier zahlen die Berufsgenossenschaften; die Behandlung ist die gleiche.

PEP ohne Krankenversicherung

Dafür gibt es weder in der Schweiz noch in der BRD landesweite Regelungen. Wir empfehlen, auch ohne Krankenversicherung direkt und ohne Zeitverzug in die Schwerpunktpraxis/Notaufnahme zu gehen und dort nach einer Lösung zu fragen.

In Berlin kümmert sich ein Netzwerk von Aids-Behandler*innen speziell um Menschen ohne Versichertenstatus (Kontakt: Migrant*innenberatung Berliner Aidshilfe, Mo+Do, 12-16h, in 5 Sprachen). Hier erfährst Du, wo genau PEP für Menschen ohne Krankenversicherung verfügbar ist.

In der Schweiz gibt es übrigens PEP kostenlos für nicht in der Schweiz krankenversicherte Sex-worker (Kontakt über Checkpoint).

Gesundheitsleistungen für Flüchtlinge, die Asyl beantragt haben, werden in der BRD vom Sozialamt übernommen. Es muss die Kosten einer PEP analog zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung tragen.

PEP auf Reisen

Bei Aufenthalt im EU-Ausland werden die PEP-Kosten nur übernommen, wenn diese zu den üblichen Notfallmaßnahmen im jeweiligen Land gehören. Private Auslandskrankenversicherungen (kosten 10EUR/Jahr) übernehmen diese Kosten meist (vorab erkundigen!).

Wer sich als Ausländer*in/Nicht-EU-Bürger*in geschäftlich in der BRD/Schweiz aufhält oder hier temporär studiert, braucht eine Auslandskrankenversicherung. Ob die auch die PEP-Kosten übernimmt, muss im Einzelfall abgeklärt werden. Gleiches gilt für touristische Besuche. Eine Auslands-Krankenversicherung ist immer zu empfehlen.

Hier lebenden EU-Bürger*innen (ohne deutsche Krankenversicherung) und Tourist*innen aus der EU werden Notfallmaßnahmen durch ihre heimische Krankenversicherung erstattet. Die PEP gehört in der Regel dazu (vor Einreise erkundigen!).

Sexunfall! – Was sofort tun?

Nochmal zurück auf Anfang. Direkt im Moment nach unsafem Sex kann die Wahrscheinlichkeit einer Infektion je nach Situation und Körperregion noch verringert werden: Du kannst Deinen Schwanz mit Wasser waschen (dafür Vorhaut vorsichtig und ohne Druck zurückziehen) und pinkeln. Wenn Dir Sperma in den Mund gespritzt wurde, ist das Risiko nach heutigem Wissenstand so gering, dass weitere Maßnahmen (und auch eine PEP) nicht erforderlich sind. Wenn Du dieses minimale Risiko noch weiter reduzieren willst, spülst Du Deinen Mund einfach mit Wasser aus. Kommt Sperma ins Auge: einfach mit Wasser oder Spucke abspülen.

Ansonsten gilt: Ruhe bewahren! Benutze keine Desinfektionsmittel, Alkohol und Darmspülungen bewirken das Gegenteil: Sie reizen die Haut und machen sie verletzbarer. Wenn beim Analverkehr wirklich ein Risiko bestanden hat: Mach sofort eine PEP!

PEP – ja oder nein?

In einem Moment, der schnelle Entscheidungen erfordert, wirst Du Dich fragen, ob Du bereit bist, einen Monat lang regelmäßig Medikamente ein- und Einschränkungen hinzunehmen. Wenn Du diese Frage nicht eindeutig mit Ja beantworten kannst, solltest Du möglicherweise darauf verzichten. Im ärztlichen Gespräch tauchen vielleicht Informationen auf, von denen Du bisher noch nichts gewusst hast. Dauerhafte Schädigungen des Körpers durch die Medikamente sind aufgrund der kurzzeitigen Einnahme aber nicht zu erwarten.

Wenn Du Dir unsicher bist, nimm Dir kurz Zeit, um Für und Wider abzuwägen. Manchen hilft es, sich mit Freund*innen zu besprechen und dann eine Entscheidung zu fällen.

PEP und diskordante Partnerschaften

Eine*r der beiden ist HIV-positiv und die*der andere nicht: PEP kann zwar auch hier eine HIV-Übertragung nach einer unsafen Situation noch verhindern. – Auf Dauer sind die Schutzwirkung einer funktionierenden Therapie („unter Nachweisgrenze sein“), Kondomgebrauch oder/und PrEP (PräExpositionsProphylaxe) bessere Optionen für effektiven Schutz. Nur wenn das einmal nicht gegeben ist, ist PEP das Mittel der Wahl als Notfallbehandlung.

In Partnerschaften nimmt das Einiges an Stress raus: die Angst des Negativen, sich zu infizieren genauso wie die der*des Positiven, die*den andere*n anzustecken. Das geht am besten, indem Ihr Euch vorher gemeinsam mit der Option PEP auseinandersetzt: Ist das überhaupt notwendig? Und wenn ja: Wo und wie gibt es PEP?

Übrigens: Nimm für eine PEP nicht einfach die Medikamente Deines Partners/Deiner Partnerin!

Nach der PEP, vor der PEP?

PEP ist kein Safer Sex, aber eine gute Möglichkeit, eine Infektion nach unsafem Sex noch zu verhindern. Nimm das zum Anlass, über Deine Bedürfnisse und Grenzen nachzudenken. Überschreitest Du letztere immer wieder, musst Du Dein Verhalten möglicherweise ändern, wenn Du Dich nicht mit HIV infizieren willst. Wie anfangs erwähnt, gibt es dafür mittlerweile viele Optionen. In den Ländern, in denen PrEP (Präexpositionsprophylaxe) bereits verfügbar ist, wird Personen nach einer wiederholten PEP geraten, über diese neue, medikamentöse HIV-Vorbeugung nachzudenken. PrEP kann man dauerhaft (täglich) oder anlassbezogen einnehmen und wird hoffentlich noch in diesem Jahr auf Krankenversicherungskarte auch hierzulande erhältlich sein.

Für viele werden Kondome jedoch weiter die Präventionsmethode Nr. 1 bleiben. Denk über Deinen Umgang mit Kondomen nach und finde heraus, in welchen Situationen es mit ihnen nicht klappt und wie das (anders) besser geht.

HIV-positive Sexpartner*innen kannst Du fragen, ob ihre Therapie gut funktioniert und ob sie sich sicher sind, dass sie nicht infektiös (undetectable) sind. Mit ihnen könntest Du dann auf Kondome oder PrEP auch getrost verzichten, wenn Du Dich regelmäßig auf STIs (sexuell übertragbare Krankheiten) testen lässt und Deinen aktuellen HIV-Status kennst. Auch HIV-Schnelltests können für Klarheit und damit mehr Sicherheit sorgen.

Wie auch immer: Sex soll geil sein! Safer Sex ist keine Zauberei! Und darüber Reden bringt Segen!

To-Do-Liste

Der Wissenstand zu PEP ist nicht besonders hoch. Gerade jüngere Leute haben oft gar keinen Plan. Das muss sich ändern. Eine PEP zu bekommen, ist allerdings auch nicht so einfach, wie es sein könnte: Schwule Gesundheitszentren sollten sie unkompliziert anbieten und mit einer entsprechend szenenahen und professionellen Beratung begleiten. Nicht zuletzt sind unklare Bestimmungen zur Kostenübernahme verantwortlich für Hemmungen von Ärztinnen und Ärzten beim Verschreiben, oft sind auch sie uninformiert. Die Krankenversicherungen zahlen nicht immer, obwohl die Folgekosten einer lebenslangen HIV-Therapie viel höher wären. Und wer keine Krankenversicherung hat, braucht ebenfalls einfachen Zugang zu PEP!

Das alles kann besser laufen und ist Aufgabe einer modernen Gesundheitspolitik: PEP ist eine viel zu gute Methode, um HIV-Neuinfektionen zu verhindern!

Wo gibt’s mehr Infos?

Auf der Seite der Deutschen Aids-Hilfe findest du:

+ eine Liste der Kliniken, die 24 Stunden am Tag eine PEP anbieten

+ die erwähnte Leitlinie für Behandler*innen als PDF

+ eine Übersicht zu Sofortmaßnahmen nach einer HIV-Exposition

HIV-Schwerpunktpraxen unter www.hivandmore.de/aerzteverzeichnis

Wenn Du persönlich mit jemandem über PEP sprechen möchtest:

Mancheck in Berlin
+49 30 44668870
www.mancheck-berlin.de

Checkpoint in Zürich
+41 44 455 59 10
www.checkpoint-zh.ch

oder mit Deiner örtlichen Aids-Hilfe. Deren Hotline 0180 33 19 411 (bundesweit, max. 9ct/Min. dt. Festnetz) ist geschaltet Mo-Fr 9-21h und Sa-So 12-14h. Hier kannst Du anonym bleiben.

We are all Lovelazers!

Wir sind eine Initiative unabhängig von Pharma und staatlichen Institutionen. Im Moment schreiben wir an Flyern zu „Schutz durch Therapie“ und zu „Safer Use bei Slamming“, weil wir die verfügbaren Infos dazu für nicht ausreichend halten. Unser erster Flyer zu PrEP hat bereits viele Diskussionen ausgelöst. Du bekommst ihn auf deutsch und englisch bei Mancheck Berlin oder findest ihn auf: lovelazers.org

© LoveLazers 2016. Für Fehler keine Gewähr. Danke für Kommentare, Hilfe + Anregungen: Tristan, Caro & Doro, Sandra, Ivanka, Philipp, Dario, Barbara, Mancheck Berlin, Armin, Sven, Frenky, Renate, Seb, Alex, Whit. Unterstützt von: mikrodisko boombox, institut für zukunft, ://about blank, Tuntenhaushoffest, les amies du futur, les complices*



Statement zu „Ready for PrEP!“

ein halbes jahr nach veröffentlichung

unser prep-faltblatt ist jetzt erst seit ein paar monaten draußen und hat schon so viele diskussionen ausgelöst – für uns kurz gelegenheit, ein zwischenfazit zu ziehen und auf einige kritikpunkte einzugehen.

zunächst einmal verstehen viele unsere intention, mit basis-infos zu prep, diskussionen zu einem völlig neuen thema anzustossen. wir hören relativ selten, wir würden für prep werben oder wären kondomfeindlich. so fühlten wir uns auch völlig missverstanden. gleichwohl gibt es zum teil große vorbehalte schon gegen die bloße auseinandersetzung mit neuen safer-sex-techniken. das engagement, mit dem gegenargumente vorgetragen werden, erstaunt uns und wirft für uns immer wieder die frage auf, um was es eigentlich noch alles geht, wenn um prep gestritten wird.

als lovelazers haben wir jetzt unzählige diskussionen zu prep geführt, sei es in talkrunden oder im persönlichen gespräch. offenes interesse, informationsbedarf und vorbehalte sind enorm. wir wollen an dieser stelle nochmal auf einige einwände eingehen:

„ihr seid gegen kondome“ – um es deutlich zu sagen: wir sind für kondome und wir sind für alles, was HIV-neuinfektionen verhindert und die verbreitung anderer STIs einschränkt, wenn menschen sich dafür entscheiden wollen und das gut in ihr leben einbauen können. was hier gut für sie ist, entscheiden nicht wir (oder andere), sondern sie selbst. nur das ist emanzipativ und zukunftsfähig. wir halten hier bevormundung schon im ansatz für repressiv.  – mit diesem ansatz schreiben wir unsere infos und lassen uns hier auch selbst nicht bevormunden oder zensieren.

„über prep informieren führt dazu, dass weniger kondome gebraucht werden“ – das ist quatsch. über prep informieren führt dazu, ins bewusstsein zu bringen, dass die verantwortung für safer sex bei uns liegt. wer über prep für sich nachdenkt, hat schon begriffen, dass die entscheidung bei ihm oder ihr liegt und dass es verschiedene optionen (für verschiedene lebensabschnitte/situationen/lebensentwürfe) gibt.

schon jetzt (vor prep) werden kondome nicht immer benutzt. es gibt eine konstante, stabile und v.a. viel zu hohe zahl von neuinfektionen und wer sich hier im status quo von „kondome sind der goldstandard“ eingerichtet hat, muss sich fragen lassen, ob diese zahl immer neuer infektionen jedes jahr nicht ein zu hoher preis für die eigenen richtigkeiten sind. wo sind denn bitteschön die vorschläge dafür, wie sich das ändern lässt?

ein mit-kondomen-weiter-so bringt es nicht, aber prep richtig frischen wind in die diskussion, neue motivation für safer sex und plötzlich den moment, in dem sich menschen trauen, ein „ende der aids-epidemie“ konkret zu denken.

„euer faltblatt ist viel zu optimistisch formuliert“ – ja, wir haben hoffnung und bei allem anspruch, sachlich und ruhig über prep zu informieren, zieht sich dieser ton durch unseren text. wir meinen ernst, dass es bei uns liegt zu entscheiden, was gut für uns ist und wie wir verantwortung für uns übernehmen wollen. ein text muss dafür so geschrieben sein, dass er zu dieser entscheidung ermutigt und diese in ihrer konsequenz unterstützt. diese positive grundhaltung muss sich also spiegeln, wenn man will, das leute ihre sache selbst in die hand nehmen. wer das nicht will, dem bleibt nur, das als „unverantwortlich“ anzugreifen, hat aber nicht begriffen, dass gute prävention nur bejahend und parteiisch funktioniert.

„eure angabe von prozentzahlen zur sicherheit von safer-sex-techniken ist unverantwortlich“ – wir haben den umgang mit diesen zahlen sehr lange diskutiert. einzelne methoden nebeneinenderzustellen und zu vergleichen, ist neu und ungewohnt. prep kommt (wie man die studien auch wendet) auch bei vorsichtiger betrachtung da super weg: es ist eine effektive methode. punkt. bei dauerhafter, täglicher einnahme (wie wir betonen) kommt man auf werte, die es zu einem dem kondom oder „nichtinfektiösität dank therapie“ ebenbürtigen präventiontool machen. kondomgebrauch verliert in dieser sicht seine dominante stellung und ist nicht mehr der (einzige) heilige gral der infektionsvermeidung. das ist zur kenntnis zu nehmen.

der vorwurf, unsere zahlen aus den prep-studien seien zu optimistisch interpretiert, kann man diskutieren. hinter der aussage „kondome, schutz d. therapie und prep sind in etwa in gleichem, hohem maße sehr wirksame schutzmaßnahmen gegen hiv“ stehen wir und das können wir auch verantworten.

„prep ist unsicherer, als ihr sagt, da ihr auftretende resistenzen unterschlagt.“ – wir sagen, dass resistenzen dann ein problem sein können, wenn man als unwissentlich hiv-infizierte person truvada einnimmt, hier geht es also um ein mögliches auftreten während einer behandlung. (lösung: auf hiv testen, was wir mehrfach vorschlagen.) ansonsten gibt es das auftreten von resistenten stämmen bei hiv-infizierten ja nicht erst seit gestern (es gab sie auch schon während der studien), dennoch gibt es praktisch keine übertragungen dieser stämme.

eine infektion mit einem resistenten virenstamm ist möglich (es gibt einen dokumentierten fall), aber eben hierzulande unwahrscheinlich und nur sehr selten möglich. würde das zu einem breiteren problem, würden die behörden die zulassung als prep sicher sofort zurückziehen. über spekulation oder theoretische überlegungen hinausgehende wissenschaftliche informationen nehmen wir hier gern in ein update unserer info mit auf.

„das promoten von prep führt zu einer verbreitung von geschlechtskrankheiten, besonders hepC“ – das hören wir immer wieder. zunächst: auch kondome verhindern die verbreitung vieler geschlechtskrankheiten (STIs) nicht. ein regelmäßiges monitoring führt aber dank frühererkennung zu einer diagnose von STIs, prep hilft hier also, dass sie nicht unwissentlich weitergegeben werden. natürlich kann man auch als kondom-user regelmäßig testen gehen (und sollte man auch), die realität sieht aber leider anders aus.

die hepC-diskussion ist komplex und braucht sicher ein ganzes, eigenes faltblatt. das kann man schreiben, wenn einem das wichtig ist, muss man uns aber nicht als gegenargument zu prep zwischen die beine hauen. hepC wird eher bei fisten, in gruppensituationen, benutzung des gleichen crisco-topfes und bei wiederverwendung von nicht desinfizierten toys übertragen. risiken steigen bei besonders langem sex, chemsex, sex, bei dem blut im spiel ist. das alles müssen leute (die das betrifft) wissen, egal ob sie auf prep oder auf kondomen sind. wir finden das wichtig und erzählen es weiter. in unserem faltblatt schreiben wir, dass safer-sex-methoden auch kombiniert werden können. das gilt wohl besonders hier.

„infos zu prep führen zu vereinzelung und entsolidarisierung im zusammenhang mit safer sex“ – diese gefahr hat immer, bei allen safer-sex-methoden bestanden (und wer hiv-positiv ist, hat das auch viel zu oft erlebt und erlebt es auch heute noch unfassbar häufig). wo wir sagen: prep gibt dir selbst die kontrolle über das safer-sex-geschehen, sagen wir gleichzeitig auch: reden über safer sex ist immer noch notwendig und wichtig.

uns, die wir infos zu zeitgemäßem safer sex (weit über prep hinaus) aus einem aktivistischen selbstverständnis heraus verfassen und unseren szenen bereitstellen, vorzuwerfen, zu entsolidarisierung und vereinzelung beizutragen, drängt sich hier eine ganz andere frage auf: muss, um diesen vorwurf aufrechtzuerhalten, nicht die perspektive von menschen mit hiv völlig ausgeblendet werden? könnte nicht eine entstigmatisierung, entdramatisierung, normalisierung von sex mit potentiell hiv-positiven zu mehr miteinander und solidarität führen oder sind die hivchen nicht auch in zukunft noch ganz gut zu gebrauchen, um sich auf der rechten seite zu wähnen – clean und alles richtig gemacht.

das fällt uns auf: die hiv-perspektive wird in der prep-diskussion oft einfach unter den tisch fallen gelassen. das ist einseitig, wenn auch nicht immer gleich serophob. solidarisch ist es jedenfalls nicht.

„ihr seid nicht pharma-kritisch genug.“ – wenns nach uns geht, kann die pharma-branche gleich komplett verstaatlicht werden. pharmakologisch-technische errungenschaften im bereich hiv-therapie und-prävention sind in unserer gesellschaft jedoch im moment an profite gebunden. wer pharma-kritisch sein will, soll das sein. wer auf medikamente angewiesen ist und ohne längst krank oder nicht mehr am leben wäre, soll zugang zu ihnen haben, wenn er das wünscht, genauso wie alle prep (finanziert) bekommen sollen, wenn sie das brauchen und wollen. erster schritt: breit informieren, damit jede/r um die möglichkeiten weiß und den zugang einfordern kann. schön, wenn unser faltblatt dazu führt, das anzustossen.

wir haben natürlich auf dem schirm, dass es menschen ohne krankenversicherung gibt. logischer schritt wäre für uns, die einführung von prep für alle und eben auch für diese gruppe von menschen zu fordern und das nicht an uns zu adressieren, sondern von der gesundheitspolitik zu fordern. das fänden wir richtig konstruktiv und nach vorn gedacht.

„prep ist doch viel zu teuer!“ – prep ist nicht für alle und das sagen wir auch. von prep profitieren bestimmte gruppen hochriskierter menschen. bleiben sie (wir) gesund, profitieren (wir) alle. – wer die kostenfrage als zentral in die diskussion stellt, argumentiert letztlich in der logik von verwertung, effizienz und mehrwert. innerhalb eines auf wettbewerb getrimmten gesundheitsystems ergibt das auch sinn, kann aber nach unserer auffassung in den reichen wohlstandsgesellschaften des westens für uns selbst kein argument sein. denn: luxus ist für alle da! und der luxus reicht auch für alle. – bleibt man aber in jener logik, lohnt es, sich das ganze von den US-amerikanischen krankenkassen vorrechnen zu lassen. die wollen nämlich kosten sparen (damit profit übrig bleibt) und finanzieren ihren mitgliedern lieber ein paar jahre prep statt einer dreifachkombi dieser medikamente plus ärztlicher versorgung bis ans lebensende. und damit ist die kostendisko eigentlich auch schon abgeschlossen.

„ihr richtet euch an eine viel zu kleine gruppe von leuten“ – wir sind selbst teil unserer zielgruppe, nämlich: männer, die sex mit männern (MSM) haben. und das in ihren facetten von identitäten, vorlieben, serostatus und sozialen und politischen charakteristika – hier kennen wir uns aus. gleichwohl sind wir nicht exklusiv und halten die auseinandersetzung offen und anschlussfähig. das zeigt sich z.b. in einer nicht ausschließenden sprache.

prep ist auch für andere gruppen gut, klar. für die braucht es speziell zugeschnittene infos. werden wir da um unterstützung gebeten, stehen wir mit unserem know how zur verfügung.

„eure infos sind nicht auf frauen zugeschnitten“ – genau. wir beschränken uns auf unsere zielgruppe.

es bleibt gleichzeitig zu sagen, dass prep auch für frauen eine großartige errungenschaft ist. in den USA wird sie deshalb auch für sie breit beworben. wer unser faltblatt gelesen hat, weiß auch, dass wir die zulassung (und kostenübernahme) des medikaments als prophylaxe fordern. dies geht damit einher, dass es (mit einem rezept) verschrieben und die einnahme ärztlich überwacht werden muss. selbstverständlich ist zu fordern, dass nur personal, welches das entsprechende fachwissen hat, das auch tun darf. das gilt auch in bezug auf besonderheiten und bedürfnisse von frauen, z.b. mit einer anpassung der dosierung.

dass sich im moment leute prep besorgen und selbst verordnen, ist eine realität, die wir zu kenntnis nehmen müssen. im sinne von harm reduction weisen wir sie darauf hin, was sie dabei besser nicht falsch machen sollten. diese situation ist nicht ideal. logisch. so leiten sich die dosierungsangaben im infotext aus studien ab, die mit MSM durchgeführt wurden, was wir im text angeben.

die situation ist für prep-user unbefriedigend. auch sie tragen die risiken der fehlenden zulassung. daraus ergibt sich für uns die forderung, prep schnell zuzulassen, sodass sie bald in den genuss ärztlicher betreuung im zusammenhang mit prep kommen.

über prep zu sprechen ist neu und komplex. es gab hierzulande noch vor kurzem überhaupt keine diskussion darum. unser faltblatt ist einer der ersten inputs dazu und jetzt gibt es eine auseinandersetzung und das ist gut. zugleich kann man über den deutschsprachigen horizont hinausschauen und feststellen, dass anderswo prep breitflächig als präventive methode implementiert wird und erfolgreich ist, besonders in den USA. auch wenn sich die situation von der unsrigen unterscheidet, sehen wir dort einen starken rückgang von HIV-neuinfektionen – bisher ohne dramatische resistenzentwicklungen – und wir sehen auch keine gleichzeitige explosion von STIs. die kommunikation um prep ist dort bunt, differenziert, politisiert und irgendwie viel weiter. prep gibt es mittlerweile in kanada, in Kenia, Peru, in Südafrika, in unserem nachbarland frankreich und demnächst in israel. selbst in großbritannien, wo es breitflächig studien zu prep gab und gibt, ist das bewusstsein für deren chancen viel größer. wir sehen dort gerade, dass sich schwule und andere männer, die prep nehmen wollen, organisieren und protest formulieren gegen die entscheidung der nationalen gesundheitskasse, die kosten dafür nicht übernehmen zu wollen. sie wollen sich nicht bevormunden lassen und lassen sich mit kostendiskussionen und einer weiteren bedarfsanalyse-studie zu prep nicht abspeisen.

hier im deutschsprachigen raum ist daran nicht zu denken. prep fällt für viele gerade wie vom himmel, die diskussion innerhalb der szenen beginnt gerade erst. es fehlt schlicht an wissen, aber es fehlen genauso die menschen im umkreis, die prep nehmen und an denen man sieht, „dass das funktioniert“. in den metropolen ist prep dennoch schon präsent für die, die das sehen wollen: auf den schwulen datingplattformen geben viele an, prep als safer sex praktizieren zu wollen, tourist*innen „auf prep“ sind in der stadt und vereinzelt kennt man auch schon jemanden, der hier lebt und prep einnimmt.

prep muss und wird kommen. bereiten wir uns darauf so gut wie möglich vor.

mündigkeit statt bevormundung!

Wer wir sind

Love Lazers gibt es seit 2015. Das sind im Moment sechs Leute in Berlin, Zürich und Leipzig. Wir sind im elektronischen Tag- und Nachtleben unterwegs, leben teils in schwulen, diskordanten Partnerschaften (hiv+ und –) und sind soziologisch/medizinisch/ juristisch ausgebildet. Einige von uns haben lange für Prävention und Drogenarbeit gearbeitet. Wir haben uns vernetzt, gehören aber keiner Institution an. Wenn Du Lust hast, kannst Du bei uns mitmachen.

 info@lovelazers.org 

Demnächst erscheinen von uns Infos zu „PEP – die Pillen danach“, „Schutz durch Therapie“, „Slamming“ sowie zu „Kondome heute“. Wir kooperieren dazu mit dem Projekt 701 anyway – HIV prevention today, das Fashion Design und neues Wissen um Safer Sex verbindet.