Eine Person mit Haaren. Eine Tür, die offen ist.

Jetzt neu (in D): PrEP aus der Apotheke!

Neue Situation zur Verschreibung von Generika für PrEP in der BRD

Seit Dezember 2017: Das Präparat Emtricitabin-Tenofovirdisoproxil-ratiopharm® ist ab sofort in allen deutschen Apotheken zu beziehen. Es kostet etwa 70EUR (30 Tabletten) und das Rezept kann von jeder Ärztin/jedem Arzt verschrieben werden. Auch Rezepte aus anderen EU-Ländern, der Schweiz und Norwegen können eingelöst werden. Die Kosten werden nicht von den Krankenkassen übernommen.

Seit September 2017: Das Präparat Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil (TDF) der Herstellerin Hexal kann für 50,05EUR/Monatspackung in bestimmten HIV-Schwerpunkt-Apotheken erworben werden. Notwendig ist dafür ein Privatrezept von einer niedergelassenen Arztpraxis, z.B. den HIV-Schwerpunktpraxen oder anderen niedergelassenen Ärzt*innen. Sie müssen bereit sein, die Begleitung einer PrEP (also die Testung auf HIV vorab, Beratung und Aufklärung, regelmäßige Blut- und Urintests) durchzuführen.

Weder die Kosten für das Präparat noch die Begleitung werden von der Krankenkasse derzeit übernommen. Für begleitende Maßnahmen kann jedoch nicht selten ein Weg der Abrechnung gefunden werden (bei der Ärztin/beim Arzt nachfragen). Ein Privatrezept kann sich jede Person ausstellen lassen, die sich in der Bundesrepublik aufhält (also z.B. Tourist*innen, Menschen ohne Aufenthaltstatus/ohne Krankenversicherung usw.).

Auf dem Rezept muss “28 Filmtabletten Emtricitabin/Tenofovir-Disoproxil zur Verblisterung für die PrEP“ stehen (also z.B. für 3 Monate: 3 x 28 Stück). Die Apotheke lässt dann die Tabletten in Köln umverpacken und verblistern (in Durchdrückstreifen einschweißen). Das kann einige Tage dauern.

Liste der Apotheken, die am 50-Euro-PrEP-Programm teilnehmen:
www.dahka.de/index.php/ueber-die-dah2ka/die-mitglieder
(Es nehmen in naher Zukunft möglicherweise weitere Apotheken an dem Programm teil.)

Artikel zum Thema:

Statement Love Lazers
Zugang zu PrEP in der BRD, September 2017

Mit der 50-Euro-PrEP sind wir in der BRD einen großen Schritt weiter und das ist sehr erfreulich. 650EUR pro Jahr kann sich aber nicht jede*r leisten. Dass das deutsche Gesundheits- und Sozialsystem PrEP als Mittel der HIV-Prävention für jeden hier lebenden Menschen zugänglich macht, halten wir für eine Selbstverständlichkeit. Krankenkassen und Politik müssen sich jetzt endlich bewegen und eine Lösung für die Kostenübernahme bei nun viel realistischeren Preisen finden. Kein Zwei-Klassen-System in der Prävention! PrEP NOW, und zwar für alle!

Jede*r, für die oder den PrEP ein praktikable Safer-Sex-Strategie sein könnte, soll sich frei dafür entscheiden können. Das betrifft nicht nur ‘besonders riskierte’ Menschen, sondern jede Person, die ein HIV-Risiko hat. Gleichzeitig darf kein Druck ausgeübt werden, eine PrEP durchführen zu müssen. Das Ausspielen verschiedener Schutzmaßnahmen gegeneinander kann nun aufhören.

Für ein sinnvolle Einbettung von PrEP in ein präventives Gesamtkonzept sexueller Gesundheit ist die Einrichtung (und Finanzierung) von Checkpoints (Gesundheitszentrum für schwule und andere Männer, die Sex mit Männern haben) inkl. ärztlicher Behandlungsangebote flächendeckend dringend und unerlässlich.

Ein viel breiterer Zugang zu Informationen zu PrEP ist jetzt notwendig. Gleichzeitig brauchen die besonderen Situationen von Sexworkern, Frauen, Trans-Personen, Drogengebraucher*innen sowie von Jugendlichen auch besondere Angebote. Für all das gibt es professionelle Einrichtungen (Aids-Hilfen, Gesundheitsämter, ärztl. Praxen, Krankenkassen), die das jetzt als dringende Aufgabe erkennen können. Mit diesem Job sind aktivistische oder selbstorganisierte Strukturen hoffnungslos überlastet.

PrEP stellt (neben anderen Maßnahmen) eine große Chance dar, unsere eigene Welt in eine ganze Welt nach den Zeiten von Aids zu verwandeln. Wer global denkt und auch handelt, trägt diese Verantwortung solidarisch und gemeinsam: Eine Welt ohne HIV & Aids ist greifbar möglich!

Wir versuchen, unsere Texte auf dem aktuellsten Stand zu halten (bitte dafür, v.a. bei den Übersetzungen ein wenig Geduld). Per Internet an PrEP zu gelangen, wird für viele – wegen des Preisunterschieds oder weil sie sich nicht in der BRD aufhalten – weiter ein Weg der Beschaffung sein, deshalb lassen wir die Handbuch-Info dazu weiter online.